Bensheim | 7. November 2025 Frauen gestalten unsere Gesellschaft auf vielfältige Weise – in Familien, in Unternehmen, in der Politik, in Kultur und Ehrenamt. Doch noch immer sind Chancengleichheit und gleichberechtigte Teilhabe keine Selbstverständlichkeit. Um dem entgegenzuwirken und Frauen in ihrer Sichtbarkeit und Wirkungskraft zu stärken, wurde in Bensheim das Netzwerk „Frau trifft sich“ ins Leben gerufen.
Bürgermeisterin Christine Klein initiierte das Netzwerk. Sie beauftragte die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Bensheim, Marion Vatter und Kerstin Hundsdorf, eine Plattform zu schaffen, auf der sich engagierte Frauen, Vereine und Institutionen aus der Region vernetzen und gegenseitig stärken können. Der erste Austausch fand im Rahmen einer Matinee im März 2023 im Eysoldt-Foyer statt – ein Auftakt, der den Grundstein für eine kontinuierliche Zusammenarbeit gelegt hat.
Unter dem Motto „Frau trifft sich“ lädt das Netzwerk Frauen aus Wirtschaft, Politik, Kultur, Bildung und Zivilgesellschaft dazu ein, gemeinsam Strategien für mehr Teilhabe und Chancengleichheit zu entwickeln. Ziel ist es, Kräfte zu bündeln, Synergien zu schaffen und frauenspezifische Themen noch wirkungsvoller in die Öffentlichkeit zu tragen.
Durch die vielfältige Fachkompetenz der Netzwerkpartnerinnen können frauenpolitische Anliegen gezielt formuliert, diskutiert und in den öffentlichen Diskurs eingebracht werden. Das Netzwerk versteht sich als Plattform für Austausch, Unterstützung und gemeinsame Weiterentwicklung von Ideen und Projekten, die die Frauenarbeit in der Region stärken.
Darüber hinaus bietet „Frau trifft sich“ aktuelle Informationen zu gleichstellungspolitischen Entwicklungen und trägt so zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen bei.
Beim jüngsten Treffen im Rathaus betonten die Teilnehmerinnen die Bedeutung einer vernetzten Zusammenarbeit und den Austausch untereinander. „Es wird Zeit, dass wir so richtig sichtbar werden in Bensheim“, erläuterte Petra Wahler, Präsidentin des Soroptimist International Club Bensheim/Heppenheim. Die Vernetzung untereinander sei dafür ein sehr guter Ansatzpunkt.
Die Soroptimistinnen hatten zuletzt mit einem beeindruckenden Vortragsabend ein Ausrufezeichen gesetzt. Saba-Nur Cheema und Meron Mendel erzählten bei einer Lesung im AKG aus ihrem jüdisch-muslimischen Alltag, auch vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs. Meron Mendel ist Professor für Soziale Arbeit und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt. Seine Frau Saba-Nur Cheema ist Antirassismus-Trainerin und forscht zu Antisemitismus unter Kindern.
Bei den Orange Days rund um den 25. November wird es vom SI-Club darüber hinaus an der Mittelbrücke im vorderen Bereich des ehemaligen Gasthauses „Zum Ochs“ eine besondere Installation zum Thema häusliche Gewalt geben.
Luisa Götzinger, Dienststellenleitung vom Gemeindepsychiatrischen Zentrum des Caritasverbands Darmstadt, zählt ebenfalls zu den regelmäßigen Teilnehmerinnen. „Ich empfinde diese Runde als sehr inspirierend. Es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig unterstützen und stärken. Wir Frauen sind in vielen Bereichen unterrepräsentiert. Gleichberechtigung hat immer noch nicht genug stattgefunden“, so Luisa Götzinger.
Simone Männl engagiert sich seit Anfang dieses Jahres im Vorstand der Business Women Bergstraße, ein Netzwerk und eingetragener Verein mit 90 Mitgliedern. „Bei Frau trifft sich bekommt man andere Einblicke, gerade in den sozialen Bereich. Das öffnet den Raum für neue Perspektiven.“ Die Business Women bieten eine Plattform für berufstätige Frauen zur Förderung des Austauschs und der Unterstützung untereinander. Eva Sofia Schlachtberger war vor Simone Männl Vorständin der Business Women. Im Netzwerk möchte sie sich dennoch weiterhin einbringen, weil „mir die Themen Sichtbarkeit und Vernetzung von Frauen sehr am Herzen liegt. Wir müssen etwas tun, um Veranstaltungen auf die Beine zu stellen.“
Christiane Hutzler von der Behindertenhilfe Bergstraße setzt sich seit Jahrzehnten für Frauenrecht ein. „Dafür brenne ich – und dafür, dass Frauen sichtbarer werden. Frauen mit Behinderung sind doppelt unsichtbar. Das ist einerseits der Beeinträchtigung geschuldet, aber auch dem Kastenblick der Gesellschaft.“ Sie setze sich seit ewigen Zeiten dafür ein, diesen Blick aufzuweichen. „Netzwerke schaffen die Möglichkeit, Barrieren abzubauen und in Kontakt mit Frauen mit Beeinträchtigungen jeglicher Art zu kommen und Ängste zu reduzieren“, konstatierte die Heilpädagogin. Die doppelte Unsichtbarkeit müsse in eine doppelte Sichtbarkeit transformiert werden.
Präsenz zeigt die Behindertenhilfe nicht nur beim Auerbacher und Bensheimer Weihnachtsmarkt, sondern ebenso beim eigenen Wintermarkt am Sonntag, 16. November, von 14 bis 18 Uhr in der Wohnstätte in der Auerbacher Schlossstraße mit einem abwechslungsreichen Programm auch für Kinder.
Simone Marder, Bereichsleitung Marketing & Kommunikation bei der GGEW AG, verdeutlichte ebenfalls den Mehrwert der regelmäßigen Zusammenkünfte. „Ich habe mich entschieden, am Frauen-Netzwerk teilzunehmen, weil ich den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Frauen aus unterschiedlichen Bereichen sehr schätze und fördern möchte. Das Netzwerk bietet eine wertvolle Plattform, um Erfahrungen zu teilen, gegenseitige Unterstützung zu fördern und gemeinsam Impulse für die Stärkung von Frauen in unserer Kommune, aber auch darüber hinaus, zu setzen.“
Martina Evertz ist seit vier Jahren Vorsitzende des Vereins Frauenhaus Bergstraße. Die Einladung zur Teilnahme am Netzwerk nahm sie damals gerne an. „Ich finde es wichtig, dass Frauen schauen, wie sie etwas bewegen können und darauf hinweisen, dass Frauen Kompetenzen haben!“ Begeistert hat sie die Zusammenarbeit einer kleinen Arbeitsgruppe, die aus „Frau trifft sich“ entsprungen ist. Im Netzwerk entstand die Idee, eine Veranstaltung zu Frauen in der Kommunalpolitik zu organisieren. Dem nahmen sich losgelöst von der großen Runde Martina Evertz, Eva Sofie Schachtberger, Simone Männl und Luisa Götzinger an. „Das ist toll, wenn man mit bis dahin eigentlich völlig Unbekannten an einem Strang zieht und für Frauen etwas bewegt.“
Angelaufen ist vor einigen Tagen wieder die Brötchentütenaktion „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“. Der Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt setzt damit in Bensheim und im Kreis Bergstraße rund um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November seit Jahren ein starkes Zeichen und macht auf das Thema geschlechterspezifische Gewalt aufmerksam. Martina Evertz zählt mit ihrem Verein gemeinsam mit den vielen weiteren engagierten Akteurinnen zu den treibenden Kräften.
Vereine, Initiativen und Institutionen, die sich für Chancengleichheit, Teilhabe und Frauenförderung einsetzen, sind herzlich eingeladen, Teil des Netzwerks zu werden. „Gemeinsam wollen wir engagiert daran arbeiten, die Sichtbarkeit und Wirksamkeit frauenpolitischer Themen in Bensheim und Umgebung weiter zu stärken“, betonen Kerstin Hundsdorf und Marion Vatter.
Wer Interesse hat, kann sich bei Kerstin Hundsdorf melden: Mail an Kerstin.Hundsdorf@bensheim.de