Preisverleihung: Gertrud-Eysoldt-Ring & Kurt-Hübner-Regiepreis

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Eysoldt-Ring in einer Ringschatulle mit Büste einer Frau im Hintergrund
Foto: Thomas Neu

Der Gertrud-Eysoldt-Ring gilt als einer der bedeutendsten Theaterpreise im deutschsprachigen Raum und wird seit 1986 jährlich in Bensheim vergeben. Mit der Vergabe des „Gertrud-Eysoldt-Ringes“, einem mit 10.000 Euro dotierten Ehrenring, würdigen die Stadt Bensheim und die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste eine schauspielerische Leistung an einer deutschsprachigen Bühne. Erste Preisträgerin war Doris Schade, ihr folgten große Schauspielerinnen und Schauspieler, wie Klaus Maria Brandauer, Cornelia Froboess, Corinna Harfouch, Nina Hoss, Ulrich Mühe, Ulrich Matthes und Tobias Moretti. Der „Gertrud-Eysoldt-Ring“ geht auf ein Vermächtnis des Journalisten und Theaterkritikers Wilhelm Ringelband zurück, der bis zu seinem Tod in Bensheim lebte und in seinem Testament einen Schauspielerpreis mit dem Namen von Gertrud Eysoldt verfügte.

Weitere Informationen auf der Website der Stadtkultur Bensheim.

Preisverleihung & Matinee

Die Stadt Bensheim und die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste laden für Samstag, 28. März 2026, um 18 Uhr zur Verleihung des Gertrud-Eysoldt-Rings ein. Im Bürgerhaus erwartet die Gäste im Anschluss ab 20 Uhr ein festlicher Gala-Stehempfang und Live-Musik der King Kamehameha Club Band. Karten sind am Samstag, 7. März 2026, ab 10 Uhr, in der Tourist Information der Stadt Bensheim (Hauptstraße 53) erhältlich.
Den Abschluss dieses besonderen Theaterwochenendes bildet erneut die beliebte Matinee. Am Sonntag, 29. März, um 10.30 Uhr, besteht im Parkhotel Krone in Auerbach die Gelegenheit, Thomas Schmauser und Fritzi Wartenberg in einem persönlichen Rahmen zu erleben und mehr über ihre Arbeit zu erfahren.

Gertrud-Eysoldt-Ring 2025 geht an Thomas Schmauser

Preisträger Thomas Schmauser
Bildnachweis: Mephisto, Thomas Schmauser, Foto: Armin Smailovic

Es ist die eindringliche Darstellung eines Künstlers, der im Pakt mit der Macht seine Seele zu verlieren droht: Für seine Verkörperung von Hendrik Höfgen in Klaus Manns „Mephisto“ in der Inszenierung von Jette Steckel bei den Münchner Kammerspielen erhält Thomas Schmauser den Gertrud-Eysoldt-Preis 2025.

Pressemitteilung „Gertrud-Eysoldt-Ring 2025 geht an Thomas Schmauser“

Begründung der Jury

Thomas Schmauser ist – auch als Klaus Manns Mephisto – ein Spieler der schönsten Widersprüche. Er verausgabt sich ganz außerordentlich, bewahrt aber immer einen hellen Rest von Kontrolle. Er ist gleichzeitig Entertainer und Somnambulist. Verführer und Verführter. Er ist das, was man landläufig „authentisch“ nennt, versteckt aber immer wieder auch kleine Kommentare über seine Figur in seinem Spiel. Schmauser ist radikal persönlich, er ist ein Nervenspieler des Mephisto und seiner selbst. Wäre er ein Maler, er malte gleichzeitig realistisch und abstrakt.
Er ist der Protagonist einer wunderbar sinnlich-klugen Inszenierung Jette Steckels in einem glänzenden Ensemble.
Bekanntlich wurde er dies Jahr, gemeinsam mit zwei Kollegen, bereits zum Schauspieler des Jahres gekürt sowie zum Preisträger des „Faust“. Und jetzt kommen wir auch noch mit dem Eysoldt-Ring …?!
Thomas Schmauser ragte für uns auf eine so bezwingende Art mit seinem Mephisto an den Münchner Kammerspielen heraus, dass wir dachten: dieser Dreifach-Erfolg, er muss jetzt sein!

Wir freuen uns mit ihm und gratulieren von Herzen! Ulrich Matthes, Juliane Köhler, Caroline Peters

Thomas Schmauser

1972 im oberfränkischen Burgebrach geboren, absolvierte Thomas Schmauser die Otto-Falckenberg-Schule in München von 1992 bis 1996. Schon während seines Schauspielstudiums erhielt er Engagements an den MK, wo er unter der Regie von Franz Xaver Kroetz in „Burgtheater“ und Rainer Werner Fassbinder in „Katzelmacher“ spielte. Nach mehreren kleineren Filmrollen hatte er einen ersten großen Kinoauftritt 1995 zusammen mit Franka Potente in Hans-Christian Schmids Komödie „Nach fünf im Urwald“.
Von 1998 bis 2000 stand Thomas Schmauser im Niedersächsischen Staatstheater Hannover auf der Bühne, unter anderem spielte er die Rolle des Prinzen Friedrich von Homburg in Heinrich von Kleists gleichnamigem Stück.
Im Jahr 2000 wechselte er in das Ensemble des Thalia Theaters Hamburg, wo er bis 2006 in zahlreichen Inszenierungen zu sehen war. In „Ein Sommernachtstraum“ verkörperte er unter der Regie von Jorinde Dröse die Rolle des Zettel. Seit 2007 gehört Thomas Schmauser zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Die Inszenierung von Shakespeares „Der Sturm“, in der er die Rolle des Caliban spielt, wurde 2008 zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. Parallel zu seiner Theaterlaufbahn stand Thomas Schmauser für zahlreiche Kino- und Fernsehproduktionen vor der Kamera.
2025 wurde er von Theater heute zum Schauspieler des Jahres gewählt in seiner Rolle als Hendrik Höfgen in „Mephisto“.

Quelle: Münchner Kammerspiele

Kurt-Hübner-Regiepreis für Fritzi Wartenberg

Porträtfoto der Preisträgerin Fritzi Wartenberg
Fritzi Wartenberg © Hilde van Maas

Der Kurt-Hübner-Regiepreis wird von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und der Stadt Bensheim seit 1991 im Zuge der Eysoldtpreis-Verleihung in Bensheim an junge Regisseurinnen und Regisseure vergeben. In diesem Jahr erhält die Auszeichnung Fritzi Wartenberg für ihre Inszenierung von Werner Schwabs „Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos“ am Burgtheater Wien.

Dotiert ist der Preis mit 5000 Euro.

Pressemitteilung „Fritzi Wartenberg erhält den Kurt-Hübner-Regiepreis“

Jurybegründung

Fritzi Wartenberg war noch nicht geboren, als Werner Schwab, der österreichische Dramatiker, der über die bildende Kunst zum Theater kam und als radikaler Erneuerer des Volksstücks gilt, am Neujahrsmorgen 1994 verstarb. Mich haben Schwabs Stücke und sein provokant antibürgerliches Auftreten damals so sehr fasziniert, dass ich damals meine Magisterarbeit über ihn geschrieben habe. Nach einem massiven Schwab-Hype, der auch von den Medien zu Beginn der 1990er Jahre betrieben wurde, sind seine Stücke heute bis auf rare Ausnahmen von den Spielplänen weitgehend verschwunden. Und umso hellhöriger und neugieriger wurde ich als ich hörte, dass Fritzi Wartenberg eines seiner Hauptwerke, „Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos“ am Burgtheater inszenieren würde. Zuvor hatte ich sie bereits für ihre souverän-witzige und hochenergetische Inszenierung von Max Frischs Lehrstück „Biedermann und die Brandstifter“ am Berliner Ensemble bewundert.
Wie würde sie sich nun diesem wilden Steiermärker nähern, der sich in der Tradition von Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek unverblümt in die finsteren Ecken der österreichischen Gesellschaft und Geschichte vorwagt und die Spuren der autoritären Gesinnung als ungebrochene Folge des Nationalsozialismus schonungslos offengelegt hatte?
Fritzi Wartenbergs inszenatorischer Zugriff ist unerschrocken und wahnsinnig klug – und funktioniert erst einmal über die Ästhetik. Denn sie und die Bühnenbildnerin Jessica Rockstroh kippen das Mietshaus mit den drei Etagen und Wohnungen aus dem Stück mitsamt der Bewohner*innen der aus der Horizontalen in die Vertikale. Es entsteht so eine artistische Kletterwand, auf der Schwabs Figuren Halt suchen und quasi um ihr physisches Überleben kämpfen müssen – eine akrobatische Herausforderung für Fritzi Wartenbergs Schauspieler*innen, während sie sprachlich um die komplexen, sonderbar gestelzten Schwab’schen Wortdrechslereien ringen.
So wird das oben und unten der gesellschaftlichen Hierarchien sofort sichtbar und körperlich real. Und vor allem ist der ständig drohende Absturz in einen tiefen Abgrund (oder ins Nichts?) für das Publikum wahrnehmbar.
Fritzi Wartenberg, ihrem Team und ihrem Ensemble ist eine stringente Übersetzung für Schwabs böse Radikalkomödie aus einer ihr fernen Zeit gelungen: An der man sich aufgrund der hervorragenden schauspielerischen Leistungen des gesamten Ensembles (besonders hervorzuheben sind Stefanie Reinsberger als Hermann Wurm und Franziska Hackl als Frau Grollfeuer) erfreut und bei der man in den Genuss aller sprachlichen Schwab’schen Finessen kommt. Gleichzeitig verlässt man diesen Theaterabend mit Erschütterung und einem Gefühl des Unwohlseins. Denn Fritzi Wartenbergs fabelhafte Schwab-Interpretation verdeutlicht, dass die finsteren Abgründe des „Gestern“ schon längst wieder in unserem Heute angekommen sind.

Almut Wagner

Rückblick: Die Verleihung des Gertrud-Eysoldt-Rings & Kurt-Hübner-Regiepreises 2024

an Schauspielerin Birgit Minichmayr sowie Regisseur Ran Chai Bar-zvi

Die große Theaterbühne zu Gast in Bensheim: Am Abend des 25. Oktober 2025 wurde der Gertrud-Eysoldt-Ring 2024 an Schauspielerin Birgit Minichmayr verliehen. Ran Chai Bar-zvi erhielt den Kurt-Hübner-Regiepreis … Many Congrats!

Bildnachweise: Gregor Ott / GVO MEDIA

Pressemitteilung „Birgit Minichmayr in Bensheim mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring ausgezeichnet“

Moderator Jo Schück, Musiker Daniel Kahn, Bürgermeisterin Christine Klein, Kurt-Hübner-Preisträger Ran Chai Bar-zvi, Eysoldt-Preisträgerin Birgit Minichmayr, Akademie-Präsident Hans-Jürgen Drescher, Laudatorin Bettina Hering, Jurorin und Laudatorin Almut Wagner sowie Jossi Wieler (Vorsitzender der Eysoldtpreis-Jury).