Bensheim | 7. August 2025 Bürgermeisterin Christine Klein und die Stadtverwaltung weisen die öffentlichen Vorwürfe des Bürgernetzwerks in aller Deutlichkeit zurück. Von einem „Alleingang“ beim Prozess der Verwaltungsmodernisierung kann keine Rede sein. „Diese Behauptung entbehrt jeder Grundlage“, erklärt Klein. Selbstverständlich werden die Inhalte des Leistungsverzeichnisses für die Verwaltungsanalyse in enger Abstimmung mit dem Magistrat auf den Weg gebracht.
Obgleich es sich bei einer Organisationsuntersuchung um klassisches Verwaltungshandeln handelt, hat die Bürgermeisterin schon vor geraumer Zeit den Fraktionsvorsitzenden angekündigt, mit ihnen das Vorgehen und den Leistungskatalog abzustimmen. Aufgrund des Auftragsvolumens ist eine Ausschreibung zudem zwingend erforderlich. Über das Procedere der Ausschreibung entscheidet die Verwaltung. Auch das ist eine Selbstverständlichkeit, die in einem professionellen Verwaltungsprozess nicht in Frage gestellt wird.
Die Aussage des Bürgernetzwerks, dass Bensheim keinen „Reparaturbetrieb mit veralteten Werkzeugen“ brauche, „ist nicht nur unangebracht, sondern auch eine Missachtung der engagierten Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung“, so Klein. Sie betont weiter: „Diese Aussage ist nicht nur eine pauschale Abwertung, sie ist inakzeptabel und diskreditiert ohne jede sachliche Grundlage die fortlaufenden Anstrengungen zur Modernisierung unserer Verwaltung“.
Das Bürgernetzwerk suggeriert mit seinen Aussagen, dass die Bensheimer Stadtverwaltung in Sachen Digitalisierung noch ganz am Anfang stünde – das entspricht in keiner Weise den Tatsachen. „Bereits seit Jahren treiben wir die Digitalisierung und Modernisierung der Verwaltung mit Nachdruck voran“, bemerkt die Verwaltungschefin.
Bereits 2020 wurden erste Online-Dienste im Standesamt eingeführt. Mittlerweile stehen über 65 Prozent der Verwaltungsleistungen online zur Verfügung. Auch intern wurden wichtige Fortschritte erzielt – etwa mit der Einführung eines neuen Dokumentenmanagementsystems und der E-Akte ab 2022. Die schriftlichen Akten werden sukzessive auf digitale Akten umgestellt.
Seit 2025 arbeitet eine interne KI-Projektgruppe an der strategischen Nutzung moderner Systeme zur Effizienzsteigerung, etwa durch automatisierte Vorprüfungen von Online-Anträgen. Ein Strategiepapier sowie eine Dienstvereinbarung sind in Arbeit. Klein: „Wir agieren bei all diesen Themen proaktiv und zukunftsgerichtet. Wir nehmen also keineswegs eine abwartende Haltung ein.“
Zudem hat die Verwaltung erfolgreich Fördermittel eingeworben: 2020 über 46.000 Euro aus dem Programm „Starke Heimat Hessen – Digitalisierung der Kommunen“ sowie 130.000 Euro zwischen 2021 und 2023 als Modellkommune für das Online-Zugangsgesetz (OZG) gemeinsam mit Viernheim, dem Kreis Bergstraße und der Metropolregion Rhein-Neckar. Schwerpunkte waren unter anderem digitale Bürgerdienste, Planen und Bauen sowie digitale Kompetenzen.
In enger interkommunaler Zusammenarbeit mit Lorsch, Zwingenberg, Einhausen und Lautertal tauschte sich Bensheim zu Digitalisierungsthemen aus – insbesondere zur Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes, zu IT-Sicherheit, Datenschutz und Dokumentenmanagement (Umstellung auf E-Akte).
Auch in Sachen Informationssicherheit ist Bensheim sehr gut aufgestellt: Bereits frühzeitig wurde ein umfassendes Informationssicherheitsmanagementsystem (IMS) implementiert, das kontinuierlich weiterentwickelt wird. Beim jüngsten Vergleich des Hessischen Rechnungshofs zur IT-Sicherheit erreichte Bensheim Platz 1 von 16 untersuchten Städten – ein Resultat frühzeitiger Investitionen und strategischer Entscheidungen. Der Bericht wird im September den politischen Gremien vorgelegt.
„Ich frage mich, warum wir einen – wie vom Bürgernetzwerk geforderten – Neuanfang benötigen, wenn wir uns längst mit einer klaren Strategie auf einen gut durchdachten Weg der Digitalisierung und Modernisierung gemacht haben“, so Bürgermeisterin Christine Klein. Sie führt weiter aus: „Eine moderne, schlanke, effiziente und bürgernahe Verwaltung – genau das ist unser Anspruch und längst gelebte Praxis in Bensheim. Wir haben in den letzten Jahren viel bewegt, Strukturen verschlankt, Prozesse digitalisiert und neue Talente gewonnen. Unsere Mitarbeitenden leisten seit Jahren engagierte und fachlich herausragende Arbeit.“
Wenn das Bürgernetzwerk all dies als „veralteten Reparaturbetrieb“ bezeichnet und eine „mutige Verwaltungswende“ fordert, „verkennt es die Realität und missachtet die Leistung der Menschen, die diese Entwicklung mit Kompetenz und Einsatz schon längst vorantreiben“.