Bensheim | 13. November 2025 Anlässlich des Internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November 2025 beteiligt sich die Stadt Bensheim auch in diesem Jahr mit mehreren Aktionen.
Am Aktionstag selbst werden um 11 Uhr traditionell am Rathaus Bensheim wieder die Fahnen „Orange the World“ und „Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen“ gehisst. Damit setzt die Stadt ein deutliches Zeichen der Solidarität und ruft dazu auf, Gewalt an Frauen und Mädchen entschieden entgegenzutreten.
Um 19 Uhr wird im Luxor-Filmpalast in Bensheim der „Googoosh – Made of Fire“ gezeigt. Die Dokumentation porträtiert das bewegte Leben der iranischen Sängerin und Schauspielerin Googoosh, die in den 1960er- und 1970er-Jahren zum Superstart wurde. Bereits als Zweijährige hatte die bekannteste Sängerin und Schauspielerin des Iran – eine Ikone und Pionierin der iranischen Popkultur – ihren ersten Auftritt: von Teherans bekanntem Kabarett Miami bis zum Königspalast kannte man sie. Es folgte eine internationale Karriere mit Auftritten auf der ganzen Welt und Hits auf Persisch, Französisch und Englisch.
Dabei verband sie die persische Lyrik mit westlichen Stilen wie Jazz, Pop, Blues und Disco zu einer komplett neuen Musik, die bis dato in der iranischen Popkultur kaum bekannt war. Auch ihr Kleidungsstil, Kurzhaarschnitt, Sex-Appeal und die Bühnenauftritte unterschieden sich von anderen Pop-Sängerinnen jener Epoche. Für Millionen von Iranerinnen galt sie zudem als Vorbild für ein kosmopolitisches, modernes und vor allem selbstbestimmteres Leben in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft.
Mit der islamischen Revolution wurde auf einen Schlag alles anders: Auftrittsverbot, Gefängnis und Hausarrest. Als 1979 im Iran die autoritäre, prowestliche Regierung des Schahs gestürzt wurde und ein skrupelloses islamistisches Regime die Macht übernahm, fand auch die Karriere von Googoosh ein abruptes Ende.
In der Islamischen Republik Iran wurde Popmusik verboten und Frauen das Singen in der Öffentlichkeit untersagt. Viele Künstler und Künstlerinnen verließen fluchtartig das Land, Googoosh blieb und verstummte für 21 Jahre. Doch ihre Lieder lebten im Verborgenen weiter, heimlich kopiert und von Generation zu Generation weitergegeben. Besonders in der iranischen Diaspora war und ist ihre Popularität ungebrochen. Sie verwandelte sich in eine nationale Ikone, die auch eine nostalgische Sehnsucht nach persönlichen Freiheiten, nach einem modernen Iran und der verlorenen Heimat verkörperte. Zuweilen zeigten diese sentimentalen Gefühle allerdings auch eine gewisse Geschichtsvergessenheit gegenüber der brutalen Herrschaft des Schah-Regimes.
Nach 21 Jahren Isolation gelang Googoosh im Jahr 2000 schließlich die Ausreise und ein unerwartetes Comeback im Exil. Danach setzte sie sich immer wieder für Menschen- und Frauenrechte in ihrer Heimat ein.
Ihre Geschichte nahm die Regisseurin Niloufar Taghizadeh zum Anlass, einen Dokumentarfilm über sie zu drehen, in dem die 1950 geborene Künstlerin selbst zu Wort kommt. Taghizadeh, im Revolutionsjahr 1979 geboren, kennt nur die Zeit danach. In ihrem Film erzählt sie, wie sie als junges Mädchen Googoosh verehrte und bei einem geheimen, als Spielzeugladen getarnten Kassettenhändler VHS-Kassetten der Sängerin erwarb.
Der Film beleuchtet nicht nur Googooshs künstlerischen Werdegang, sondern auch ihren Mut und ihre Rolle als Symbolfigur für Freiheit und Selbstbestimmung iranischer Frauen. Er erzählt die Geschichte einer Frau, die allen Widrigkeiten zum Trotz zur Ikone des weiblichen Widerstands wurde und weltweit Hoffnung und Mut spendet.
Der Film ist eine Voiceover-Fassung. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.
Weitere Infos beim Frauenbüro der Stadt Bensheim unter Telefon 06251/856003 oder E-Mail an frauenbuero@bensheim.de