Bensheim | 30. April 2025 Offiziell ist die ukrainische Stadt Khmelnytskyj keine Bensheimer Partnerstadt. Inoffiziell aber läuft längst ein Patenschaftsprogramm, das zwar diesen Namen nicht trägt. Aber in der Praxis längst gelebt wird – von den Feuerwehren, dem Verein Wir sind Bergstraße und dem Team Bensheim der Tour der Hoffnung. Am Dienstag machte sich erneut ein Lkw mit tonnenweise humanitären Hilfsgütern auf den Weg in den Südwesten des Landes. Als Organisator zog erneut Jürgen Pfliegensdörfer (Tour der Hoffnung) die Fäden. Finanziert wurde die Fahrt aus Mitteln des Vereins Wir sind Bergstraße.
Es ist der 23. Hilfstransport aus Bensheim in die Ukraine – und auch dieses Mal zeigte sich, was eine reibungslose und vertrauensvolle Zusammenarbeit in einem eng geknüpften Netzwerk ermöglicht. Kindersitze, Spielzeug, Hygieneprodukte und Medizinartikel aus einer Praxisauflösung wanderten ebenso auf die Ladefläche wie 40 Monitore aus dem Bestand der Firma Suzuki und zwei Paletten mit neuen Sportschuhen, die Orthopädie-Schuhmachermeister Mathias Mitterle vom gleichnamigen Bensheimer Fachgeschäft gespendet hatte.
Die Feuerwehren aus Bensheim, Bürstadt und Mörfelden-Walldorf hatten für ihre ukrainischen Kameradinnen und Kameraden ebenfalls Ausrüstung zusammengestellt – darunter einen Atemluftkompressor, Helme, zwei Mehrzweckschaumrohre, Gurte, Seile und einen Sprungretter. Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn und Gerätewart Ronny Grundmann aus dem Stützpunkt an der Robert-Bosch-Straße halfen beim Verladen der Paletten tatkräftig mit.
Bürgermeisterin Christine Klein dankte allen Beteiligten herzlich für ihren großartigen Einsatz. „Ihr Engagement zeigt, wozu eine Gemeinschaft fähig ist, wenn sie zusammensteht. In einer Zeit, in der der Krieg viele Menschen aus ihrer Heimat reißt, ist praktische Hilfe ein unschätzbarer Ausdruck von Mitgefühl.“ Der Hilfstransport sei ein Zeichen der Solidarität, Menschlichkeit und der europäischen Verbundenheit. Bombenalarme und Drohnenangriffe bedrohen die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor mehr als drei Jahren. Zudem versorgt und bringt Khmelnytskyj viele Binnenflüchtlinge unter.
Der Kontakt nach Khmelnytskyj besteht seit dem ersten Hilfstransport im Oktober 2022. Die Familie Finkenwirth aus Auerbach beziehungsweise deren Tochter Allegra, die bei der Auerbacher Jugendfeuerwehr im Einsatz ist, hatte den Kontakt hergestellt. Die Schülerin hatte vom ehemaligen Au-pair-Mädchen der Familie, Anastaia Opalink, erfahren, dass die Feuerwehr in deren ukrainischen Heimat, bei der ihr Onkel arbeitet, dringend ein Fahrzeug braucht.
Der Magistrat beschloss daraufhin die Weitergabe eines ausrangierten, aber runderneuerten Tanklöschfahrzeugs der Auerbacher Feuerwehr. Seitdem erhält die Bensheimer Feuerwehr regelmäßig Informationen über die dramatische Lage vor Ort. Die Verantwortlichen erreichen immer wieder Hilfeersuchen des staatlichen Feuerwehr- und Rettungsdienstes aus Khmelnytskyj, das rund 1600 Kilometer von Bensheim entfernt liegt.
Im Frühjahr 2023 folgte als weitere Spende ein ausgemustertes Tanklöschfahrzeug der Werksfeuerwehr von Dentsply Sirona. Im Oktober 2023 war eine Feuerwehr-Delegation aus der ukrainischen Region in Bensheim, um das ehemalige Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr Gronau entgegenzunehmen. Außerdem konnten den Kameradinnen und Kameraden die alte Drehleiter der Feuerwehr Mörfelden-Waldorf zur Verfügung gestellt werden. Die Vereine Wir sind Bergstraße und das Team Bensheim der Tour der Hoffnung, die als eingespieltes Doppel seit Beginn des russischen Angriffskriegs im ehrenamtlichen Dauereinsatz sind, konnten über Spenden die Finanzierung sicherstellen.
Im Sommer 2024 folgte die „alte“ Bensheimer Drehleiter (Baujahr 1996), die an die Kameradinnen und Kameraden in Khmelnytskyi gespendet wurde.