Bensheim | 6. November 2026 Einen Betreuungsplatz für das eigene Kind zu finden, ist für viele Familien ein wichtiger Schritt, um Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können. In Bensheim ist die Versorgung für das Kindergartenjahr 2026/2027 – so wie man es aus den vergangenen Jahren gewohnt ist – wieder gesichert: Sowohl für Kinder unter drei Jahren als auch für Kindergartenkinder stehen ausreichend Plätze zur Verfügung. Auch Familien, die im Laufe des Kindergartenjahres einen Platz benötigen, können grundsätzlich versorgt werden – wenn auch nicht immer in der Wunscheinrichtung.
„Eine gute Kinderbetreuung ist eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der Kinder und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mir ist deshalb besonders wichtig, dass wir in Bensheim nicht nur ausreichend Betreuungsplätze bereitstellen, sondern auch auf eine hohe pädagogische Qualität und gute Rahmenbedingungen achten. Jedes Kind soll die Möglichkeit haben, individuell gefördert und bestmöglich auf seinem Weg begleitet zu werden“, betont Bürgermeisterin Christine Klein.
Gleichzeitig verändert sich die Nachfrage. Die Zahl der Kinder in Bensheim ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Der aktuelle Bedarfsplan des Eigenbetriebs Kinderbetreuung zeigt, wie sich diese Entwicklung auf die Auslastung der Einrichtungen auswirkt und welche Aufgaben für die kommenden Jahre anstehen. Gefragt sind eine vorausschauende Planung, bedarfsgerechte Angebote und verlässliche Rahmenbedingungen für Familien.
„Wir müssen die Entwicklung der Kinderzahlen genau beobachten und unsere Betreuungsangebote entsprechend anpassen. Dabei geht es darum, den Familien eine verlässliche Betreuung zu ermöglichen und zugleich die vorhandenen Kapazitäten sinnvoll einzusetzen“, verdeutlicht Anja Vogt, Leiterin des Eigenbetriebs Kinderbetreuung.
Zum 30. Juni 2026 lebten nach Angaben des Kreises Bergstraße 967 Kinder unter drei Jahren in Bensheim. 2020 waren es noch 1233. Auch die Zahl der Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt ist rückläufig. Diese Entwicklung macht sich bei den Anmeldungen bemerkbar. In einzelnen Einrichtungen wurden die Kapazitäten deshalb bereits angepasst: So stehen in der AWO-Kita Stubenwald vorerst 24 statt zuvor 36 Krippenplätze zur Verfügung. Auch bei Best Kids wurde die Zahl der Krippenplätze von 36 auf 30 reduziert.
Insgesamt gibt es in Bensheim 338 Krippenplätze und 1.702 Plätze für Kindergartenkinder. Allerdings können nicht alle Plätze regulär belegt werden. In 21 Einrichtungen werden zum Stand 1. August 2026 54 Kinder im Rahmen von Einzelintegrationen betreut. Aufgrund der damit verbundenen Anforderungen an die Gruppengrößen entfallen rechnerisch 154 Plätze für die reguläre Belegung. Damit stehen im Kindergartenjahr 2026/2027 insgesamt 1.886 Krippen- und Kindergartenplätze zur Verfügung.
Die Entwicklung erfordert einen differenzierten Blick auf die einzelnen Einrichtungen und Stadtteile. Denn die Nachfrage verteilt sich nicht überall gleich. Zudem können im Laufe des Kindergartenjahres weitere Kinder mit Förderbedarf hinzukommen, für die zusätzliche Integrationsmaßnahmen erforderlich sind.
Auch wenn die Zahl der Kinder derzeit sinkt, muss die Stadt die Betreuung langfristig sichern und auf Veränderungen vorbereitet sein. In den Stadtteilen stehen deshalb wichtige bauliche Maßnahmen an.
In Schwanheim ist auf dem Gelände der bisherigen Kindertagesstätte eine neue zweigruppige Einrichtung geplant. Der Neubau soll voraussichtlich im Sommer 2028 fertiggestellt werden. Während der Bauphase sind die Kinder seit August 2026 vorübergehend im ehemaligen Kindergartengebäude in Fehlheim untergebracht.
In Fehlheim hat eine neue Kindertagesstätte bereits im Mai 2026 ihren Betrieb aufgenommen. Sie bietet Platz für bis zu 99 Kinder vom ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt. Die Einrichtung trägt damit zur Versorgung im Stadtteil bei.
Die weitere Entwicklung der Wohngebiete kann die Nachfrage nach Betreuungsplätzen künftig wieder verändern. Auf dem ehemaligen Sanner-Gelände in Auerbach soll in den kommenden Jahren ein Wohnquartier mit etwa 300 bis 400 Wohneinheiten für bis zu 1.000 Menschen entstehen. Der Projektentwickler plant dort eine neue Kindertagesstätte, die das bisherige Kinderhaus Effax ersetzen soll. Nach derzeitigem Stand ist eine viergruppige Einrichtung mit einer Gruppe für Kinder unter drei Jahren und drei Gruppen für ältere Kinder vorgesehen. Die endgültige Größe soll sich am tatsächlichen Bedarf orientieren.
Zugleich stehen Veränderungen bei bestehenden Angeboten an. Das Familienzentrum Bensheim hat zum 1. August 2026 die Trägerschaft der Kita Liebfrauen übernommen und diese mit der Kita Weidenkätzchen zusammengeführt. In der Kita Liebfrauen können nun bis zu 78 Kinder vom ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt betreut werden. Die Kita Schatzkiste wird ihren Betrieb zum 31. Juli 2027 einstellen, nachdem der Betriebsvertrag zum Ende dieses Zeitraums gekündigt wurde.
Neben den Platzzahlen bleibt die personelle Situation eine wichtige Herausforderung. Der Fachkräftemangel ist auch in Bensheim spürbar, insbesondere bei kirchlichen Trägern. Der Eigenbetrieb Kinderbetreuung setzt deshalb verstärkt darauf, in den städtischen Einrichtungen selbst auszubilden und so qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Zukunft zu gewinnen.
In Bensheim werden Kinder vom Säuglingsalter bis zum Ende der Kindergartenzeit in 29 Kindertageseinrichtungen betreut. Ergänzend bietet die Kindertagespflege eine individuelle Betreuungsmöglichkeit: Derzeit sind 24 Kindertagespflegepersonen tätig, die insgesamt 91 Kinder betreuen. Für die Grundschulbetreuung stehen darüber hinaus 885 Plätze zur Verfügung.
Der Bedarfsplan macht deutlich, dass die aktuelle Versorgung mit Betreuungsplätzen gesichert ist, sich die Rahmenbedingungen aber verändern. Sinkende Kinderzahlen bieten die Möglichkeit, die Auslastung der Einrichtungen genauer zu betrachten und Angebote weiterzuentwickeln. Gleichzeitig müssen neue Wohngebiete, die Entwicklung der einzelnen Stadtteile und der zusätzliche Platzbedarf durch inklusive Betreuung berücksichtigt werden.
Ziel des Eigenbetriebs Kinderbetreuung ist es, die vorhandenen Kapazitäten bedarfsgerecht weiterzuentwickeln, notwendige Investitionen voranzubringen und Familien auch weiterhin ein verlässliches Betreuungsangebot zu ermöglichen.