Bensheim wird Modellkommune zum Schutz des Grundwassers

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Grün- bzw. Teichanlage gegenüber dem Friedhof Am Rosengrund

Bensheim | 25. März 2026 Das Hessische Ried ist der größte Grundwasserspeicher Hessens – und mit Stoffen belastet, die aus Haushalten, Industrie, Medizin und Landwirtschaft stammen. Über das Abwasser und Oberflächengewässer gelangen die Spurenstoffe ins Grundwasser. Um dem entgegenzuwirken, hat das Land vor fünf Jahren das Dialogforum „Spurenstoffe im Hessischen Ried“ gestartet.

Die Stadt Bensheim wurde nun nach einer erfolgreichen Bewerbung vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt als weitere Modellkommune im Rahmen der zweiten Phase des Dialogforums ausgewählt. Diese Auszeichnung würdigt die Bereitschaft, konkrete Maßnahmen zur Vermeidung und Verringerung von Spurenstoffen in Gewässern umzusetzen.

Die Auswahl unterstreicht die wichtige Rolle von Städten und Gemeinden im Umgang mit Spurenstoffen. Kommunen können insbesondere durch Information und Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger dazu beitragen, den Eintrag von Rückständen – etwa aus Medikamenten oder Haushaltsprodukten – in die Umwelt zu reduzieren.

Mit der Teilnahme am Projekt erhält die Stadt Bensheim direkten Zugang zu den im Dialogforum entwickelten Maßnahmen und Materialien. Zudem wird sie fachlich begleitet und bei der Umsetzung von Kommunikationsmaßnahmen unterstützt.

Mit der Beteiligung als Modellkommune im Projekt „Reines Ried“ verfolgt die Stadt das Ziel, aktiv zur Aufklärung über Spurenstoffe beizutragen und die Belastung der Gewässer in Hessen nachhaltig zu verringern.

„Nach unserer Einschätzung wurde das Thema bislang häufig unterschätzt, während gleichzeitig ein erheblicher Informationsbedarf in der Bevölkerung besteht. Als Modellkommune möchten wir Verantwortung übernehmen und das Thema in unserer Region sichtbarer machen“, betonte Erster Stadtrat und Umweltdezernent Frank Daum.

Vor dem Start einer breiteren Öffentlichkeitsarbeit ist eine kompakte Online-Informationsveranstaltung vorgesehen, bei der relevante Akteure eingebunden werden sollen.

Die Sensibilisierungskampagne wird durch das Team Klima, Umwelt und Energie der Stadt koordiniert. Wichtige Partner sind dabei der Gewässerverband Bergstraße sowie der Zweckverband Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße (KMB).

Der Gewässerverband Bergstraße setzt auf naturnahe Gewässerentwicklung und stärkt durch Renaturierungsvorhaben gezielt die Selbstreinigungskraft der Gewässer. Der KMB bringt umfangreiche Erfahrungen in der Abwasserüberwachung und -kontrolle ein, unter anderem durch Immissionsnachweise, Kanalinspektionen und die Überprüfung von Fehleinleitungen.

Ziel aller Maßnahmen ist es, die Menschen in der Region für den bewussten Umgang mit potenziell gewässerbelastenden Stoffen zu sensibilisieren und langfristig eine messbare Reduzierung von Spurenstoffen zu erreichen.

Hintergrund:

Aufgrund der hohen Siedlungsdichte weist das Hessische Ried stark abwasserbelastete Fließgewässer auf. Dazu kommt eine intensive Landwirtschaft. Außerdem sind die Böden hier zum Teil sehr durchlässig, sodass Spurenstoffe über die Fließgewässer auch in das Grundwasser gelangen.

Daher hat das Ministerium gemeinsam mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) und dem Regierungspräsidium Darmstadt eine Strategie zur Vermeidung und Verminderung des Spurenstoffeintrags in die Gewässer des Hessischen Rieds erstellt und 2018 vorgelegt. Als eine der Umsetzungsmaßnahmen der „Spurenstoffstrategie Hessisches Ried“ ist die Einrichtung eines Dialogforums identifiziert worden.

Das Hessische Ried umfasst zwar nur rund fünf Prozent der Fläche Hessens, aber wegen der günstigen hydrogeologischen Bedingungen werden in diesem Gebiet knapp 25 Prozent des Trinkwassers in Hessen gewonnen.